Der Termin beim Jugendamt hatte in meinem Unterbewusstsein/ in meiner Seele so vieles ins Rollen gebracht. Zu der Zeit sah es in mir aus wie ein wogendes Meer. Gerade noch hatte eine neue Erknntnis den Sturm in mir abgeflacht und ich kam etwas zur Ruhe, schon türmten sich vor mir neue Wellenberge auf. Ich kann nicht sagen, dass ich zu der Zeit kein lebenswertes Leben hatte. Nach Außen hin lief fast alles so weiter, wie immer. Aber in mir waren diese Kämpfe, um Antworten zu erzwingen. Die Verarbeitung der Themen hat sich bei mir über Jahre hinweg erstreckt. Aber die Wogen wurden über die Jahre kleiner und es ist mir immer leichter gefallen, damit umzugehen. Zu einem anderen Zeitpunkt erzähle ich euch dann auch, was mir dabei geholfen hat, alle Dinge in meinem Leben zu überstehen.
Aber wie ist das so schön, wenn man etwas erzwingen möchte, klappt es nicht. Und so bleib mir nichts anderes übrig, als mich in Geduld zu üben. Habe ich eigentlich schon erzählt, dass Geduld eine meiner größten Stärken ist. Oder eben auch nicht.
Ich bin und war schon immer ein spiritueller aber nicht fanatisch esotherischer Mensch. Schon damals war eine meiner engsten, vielleicht sogar meine einzige Vertraute, meine Relilehrerin. Unsere Freundschaft hatte aber nichts mit der Religion zu tun, sondern gründete sich schon damals auf eine tiefe Verbundenheit zwischen uns. Sie war der Mensch, bei dem es mir gelang, mich anzuvertrauen. Mit ihr sprach ich schon immer über die Mobbing Situation in der Schule (ohne das ich sie bat aktiv einzugreifen), mein ComingOut und eben auch meine Adoptionsgeschichte.
Eines Tages erzählte Sie mir, dass sie bei einem Medium war. Durch dieses Medium hatte sie schon einige Erkenntnisse über sich und ihre Themen gewinnen können. Wer nichts erwartet, hat auch nichts zu verlieren. Also vereinbarte auch ich, allerdings ohne große Erwartungen, einen Termin bei dem Medium. Der Termin fand in einem gewöhnlichen Haus im Ruhrpott statt und mich begrüßte eine ältere Dame. Wir setzten uns bei ihr an den Küchentisch und sie ging in Trance. Zugegeben, wenn ich das heute so schreibe, klingt das schon ein wenig spuky. Das Gute ist nur, dass sie damals eine Aufnahme mit einem Kassettenrekorder aufgenommen hat. Nach über 20 Jahren besitze ich immer noch die Kassette und meinen Walkman, um diese abzuhören.
Wie dem auch sei, ich habe mir vor ein paar Tagen noch einmal die ganze Sitzung angehört. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob die Frau ein Medium war oder einfach nur eine gute Intuition und Verbindung zu Menschen hatte. Auf jeden Fall hat sie mir Dinge gesagt, die heute auch jeder Life Coach sagen könnte. Das konnte ich damals so noch nicht fühlen oder verstehen. Allerdings gibt es eine Sache, die mir schon damals ungemein geholfen hat. Eine meiner Fragen war, wie ich mit dem Termin beim Jugendamt und meinen unbeantworteten Fragen umgehen soll. Gerade meine nicht auffindbaren Geschwister waren ein großes Thema.
Dazu gab Sie mir folgenden Rat. Für meine Gesundung und um Antworten zu finden sei es wichtig, meinen leiblichen Geschwistern zu begegnen. Wenn mir dazu nun im Augenblick nicht die Möglichkeit gegeben ist, dann sollte ich mir meine Geschwister in Gedanken vorstellen und ihnen folgendes sagen: „Ich liebe euch sehr und ich würde euch gerne treffen und mich mit euch austauschen. Leider haben wir gerade nicht die Möglichkeit uns kennen zu lernen. Deswegen gebe ich diesen Wunsch nun ans Universum ab und vertraue darauf, dass wir uns begegen werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Bis dahin seid ihr in meinem Herzen.“
Und ob ihr es glaubt oder nicht, diesen sehnlichen Wunsch abzugeben und dem Universum anzuvertrauen, hat mir tatsächlcih ein Gefühl von Leichtigkeit und Frieden gegeben. Ich war so glücklich, dass ich den Druck nicht mehr in mir spürte und dachte, dass es sich dabei um das größte Geschenk gehandelt hat, was man mir in dem Zusammenhang machen konnte. Damals konnte ich ja noch nicht ahnen, das ich Jahre später durch einen Zufall oder Vorherbestimmung meine leiblichen Geschwister finden sollte. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich zu einem späteren Zeitpunkt erzählen werde.