Der Junge ohne Vergangenheit, der keine Zukunft hatte

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Heute gibt es für euch einen Text, den ich vor 18 Jahren, also mit 24 Jahren geschrieben habe. Als ich den Text gerade noch einmal gelesen habe, war mir klar, dass es dazu in diesem Blog Eintrag keine Erklärung geben wird. Wie es dazu gekommen ist, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

„Der Junge ohne Vergangenheit, der seine Zukunft suchte!“ – Ein Satz, der scheinbar wie jeder andere ist. Doch für mich bedeutet er mehr. In ihm liegt mein Leben. Diese acht Worte spiegeln meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft wieder.

Ich kann mir vorstellen, dass ihr das jetzt nicht verstehen werdet. Wenn ich keine Vergangenheit und keine Zukunft habe, dann kann ich doch nur eine Gegenwart haben. Aber wie kann ich eine Gegenwart haben, wenn ich keine Vergangenheit und auch keine Zukunft habe? Es gibt keine Vergangenheit, aus der ich kommen könnte. Aus diesem Grund habe ich auch keine Gegenwart. Aber wenn ich keine Gegenwart habe, dann kann ich auch keine Zukunft haben. Also existiere ich nicht.

Aber dennoch lebe ich doch! Formuliere diese Gedanken über mich!

In der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende, ist das Land „Phantasien“ von einer unheimlichen Macht, dem „Nichts“ heimgesucht worden. In dem „Nichts“, dieser gähnenden Leere, konnte nichts existieren. Es gab nicht einmal den Tod. Alles was es verschlang, war einfach nie dagewesen.
So ein Gefühl ist es auch, was ich verspüre, wenn ich an meine Vergangenheit denke. Ich sehe zwar nicht das „Nichts“, allerdings sehe ich das große „NEIN“. Ich sehe, daß die Menschen noch bevor ich geboren worden bin nein zu mir gesagt haben. Es ist unwiderruflich die Entscheidung gegen mich getroffen worden.

Ich persönlich hätte mir lieber das „Nichts“ ausgesucht. Für mich ist es erträglicher ich hätte niemals existiert, als dass ich nicht gewollt und abgeschoben worden bin. Man hat einfach nein zu mir gesagt. Wo ich die Zeilen hier schreibe, wird mir das ganze Ausmaß dessen, was ich gerade gesagt habe erst so richtig bewusst. Das bedeutet nichts anderes als die Tatsache, dass ich mir eigentlich wünsche, dass mich meine Mutter abgetrieben hätte. Wie tief muss ich verletzt sein und was für ein große Trauer und Wunde in meiner Seele muss ich haben, um mir so etwas zu wünschen.

Etwas wird mir in diesem Augenblick bewusst. Ich habe sowohl eine Vergangenheit, wie auch eine Gegenwart, als auch eine Zukunft. Sobald ich Frieden schließe mit meiner Vergangenheit und meiner Mutter, finde ich meine Gegenwart und auch meine Zukunft. Ich werde erkennen, dass ich diese Dinge eigentlich schon die ganze Zeit gehabt habe. Ich habe mir mein Leben nur durch Trauer, Kummer, Selbstvorwürfe und Hass so zugeschüttet, dass ich bisher eigentlich nie wirklich gelebt habe. Ich habe immer versucht, mir die Schuld an allem zu geben und mich zu verletzen wo ich kann.
Allerdings müßte bereits alleine die Tatsache, dass ich lebe ausreichen, um mir zu zeigen, wie sehr ich gewollt und geliebt worden bin. Ich bin so sehr geliebt und gewollt worden, dass mich meine Mutter sogar entgegen aller widrigen Umstände zur Welt gebracht hat und ich das Glück hatte in einer ganz tollen Familie mit viel Liebe aufzuwachsen. Gott, das Universum, meine Mutter und meine Eltern haben mich so sehr gewollt, dass ich jetzt hier auf dieser Welt bin.

Dennoch habe ich mir unbewusst mein ganzes Leben lang die Schuld daran gegeben, dass ich damals abgegeben worden bin. Ich habe mir sogar „eingeredet“, dass ich es nicht wert bin geliebt zu werden und die Menschen, denen ich mein Herz schenke, mich sowieso wieder abschieben und nicht wollen.

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